Dies ist ein Informationsangebot über einen Kodex zur Fotografie. Es soll die Aufnahme und die Bearbeitung nach festen Regeln einschränken. Aufgrund der ausufernden
Bildbearbeitungen digitaler Vorlagen, vgl. [3] und ständig neu erscheinender Bücher über Bearbeitung von Bildern soll hier ein anderer Ansatz dargelegt werden.
Präambel
- Dieser Kodex hat das Ziel, eine Reihe von Regeln aufzuschreiben, um Bildmanipulationen zu verhindern und Bearbeitungen eines Fotos transparent zu machen.
- Insbesondere beruht unser Kodex auf einer hochwertigen Aufnahme und geringer Korrektur, die das
Wesen der Bildaussage auf keinen Fall verändert.
- Er verzichtet auf inhaltliche Korrekturen und Verschönerungen. Er stellt die Originalaufnahme zur
Verfügung.
- Inhaltlich beruht unsere Fotografie auf dem Grundgesetz Art. 5 zur freien Meinungsäußerung. Ebenso
respektieren wir den Pressekodex des Deutschen Presserates.
- Unser Ziel ist, in einem Foto das Typische oder Besondere des Objektes, Hauses oder Menschen,
Landschaft usw. auszudrücken. Schönheit oder Missstände zu suchen und diese so zu fotografieren,
wie sie wahrgenommen werden. Schönheit soll nicht hineinmanipuliert werden.
- Vortäuschung von anderen Orten und Zeitpunkten als die der Aufnahme sind verboten.
Kodex
- Die physikalische Korrektheit der Abbildung bleibt gewahrt. D.h. stürzenden Linien, Verzerrungen am
Bildrand, chromatic Aberration, Vignettierung usw. werden nicht korrigiert.
- Fotos werden nicht montiert. Ein Bild entsteht aus einer Aufnahme.
- Bei der Aufnahme wird die Lichtsituation respektiert. Zusätzliche Lichtquellen oder Blitzen sind
nicht erlaubt. Die Verwendung von Filtern bei der Aufnahme muß angegeben werden.
- Das Original wird mit veröffentlicht. Je nach Medium steht das Original gedruckt oder als File (zB als
Download) zur Verfügung.
- Der Workflow von der Aufnahme inklusive Equipment bis zur Veröffentlichung wird protokolliert.
- Das Vergrößern von digitalen Files (Hochrechnen) durch Interpolation ist nicht erlaubt.
- Prinzipiell verboten sind:
- Entfernung von störenden Bildelementen
- Änderung der Proportionen des Bildes
- Bei der analogen Fotografie ist entsprechend zu verfahren. Beim Scan des Negativs soll der Scanner
und die Einstellungen bekannt gegeben werden oder das Labor benannt werden.
Einige Ideen beruhen auf dem Dogma 95-Prinzip von Lars von Trier und Thomas Vinterberg [1] und
Ideen von Oliver Deussen [2].
Beispiele
www.alternative-fotografie.de
Literatur
[1] Lars von Trier, Thomas Vinterberg: Dogma95:
http://www.dogme95.dk und
http://de.wikipedia.org/wiki/Dogma_95, [Stand vom 31.3.2008]
[2] Oliver Deussen: Bildmanipulation. Wie Computer unsere
Wirklichkeit verzerren, Spektrum, 2007
[3] Volker Lensch: Digitalfotografie - Abgrund oder Erlösung,
in: Digitales Bild _ Bildung des Digitalen II, Deutsche
Gesellschaft für Photografie e.V., Köln, 2006
Kontakt
Dr. Marietta Ehret
Fachbereich Medienproduktion
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Liebigstr. 87
32657 Lemgo
info(at)fotografie-kodex.de
www.hs-owl.de/fb2/
Letzte Änderung am 21.12.2009.